Danke Wolfgang – du wirst auf ewig unvergessen bleiben!


Wir trauern um Wolfgang Zuckschwerdt, den Vater des Frauensumos in Deutschland

 

Am 14. April ist mit Wolfgang Zuckschwerdt nicht nur ein großer Sportler von uns gegangen, wir verlieren den Mann, ohne den es den Sumosport in Deutschland in seiner heutigen Form nicht geben würde. Sein Name steht wie kein anderer für Aufbau, Entwicklung und die Seele unseres Sports.

 

Wolfgang war ein Kämpfer, auf der Matte und im Leben. Seine sportlichen Wurzeln lagen im Judo, wo er sich trotz eines vergleichsweise späten Einstiegs mit unbändigem Willen bis an die Spitze arbeitete. In den 1970er Jahren gehörte er zu den besten Schwergewichtlern Europas. Mehrfacher DDR-Meister und Medaillengewinner bei Europa- und Weltmeisterschaften zeigte er früh, was mit Disziplin, Mut und Charakter möglich ist.

 

Doch seine wahre Größe zeigte sich nach seiner aktiven Karriere.

 

Er war ein Lehrer im tiefsten Sinne des Wortes. Einer, der nicht nur Techniken vermittelte, sondern Menschen formte. In den Trainingshallen war er mehr als ein Coach. Er war Orientierung, Verlässlichkeit und oft auch derjenige, der Halt gab, wenn es außerhalb des Sports schwierig wurde. Wer bei ihm trainierte, lernte nicht nur zu kämpfen, sondern auch Respekt, Verantwortung und Zusammenhalt.

 

Ende der 1990er Jahre begann Wolfgang, sich intensiv dem Sumosport zu widmen, zu einer Zeit, als dieser in Deutschland kaum bekannt war. Sumo wurde ursprünglich von Yoshiro Nakamoto gemeinsam mit Günther Romenath, dem damaligen Sportdirektor des DJB, nach Deutschland gebracht. Was zunächst als Ergänzung gedacht war, entwickelte sich durch Wolfgangs Überzeugungskraft und Leidenschaft zu etwas Eigenständigem.

 

Die ersten Bundestrainer waren Reinhardt Bunk für die Männer und Wolfgang Zuckschwerdt, der ab 1997 das Amt für die Frauen übernahm. In dieser Rolle machte er das Frauensumo in Deutschland nicht nur populär, sondern auch international erfolgreich.

 

Mit Weitsicht und unermüdlichem Einsatz schuf er Strukturen, baute Vereine auf und förderte konsequent den Nachwuchs. Er war die treibende Kraft hinter der Entwicklung des Sumos in Brandenburg, in der PSG und schließlich im gesamten Bundesgebiet. Beim Brandenburgischen Sumo Verband war er Gründungsmitglied. Zunächst im Deutschen Sumo Verband aktiv, setzte er seine Arbeit ab 2015 im Deutschen Sumo-Bund fort und prägte diesen entscheidend mit.

 

Als Bundestrainer und in führender Funktion formte er nicht nur Organisationen, sondern eine Gemeinschaft. Viele der heutigen Erfolge deutscher Athletinnen und Athleten tragen seine Handschrift.

 

Für Wolfgang war Sumo mehr als ein Sport. Er erkannte und lebte die Werte, die diesen Sport ausmachen: Respekt, Ritual und innere Haltung. Genau diese Prinzipien gab er an seine Sportler weiter – und genau das machte ihn zu einer so prägenden Persönlichkeit.

 

Auch seine Familie ist untrennbar mit dieser Geschichte verbunden. Seine Frau Sandra Köppen-Zuckschwerdt gehört zu den erfolgreichsten Sumotori weltweit und wurde mehrfach Weltmeisterin. Sie ist bis heute eine der zentralen Figuren des deutschen Sumos. Ihre gemeinsame Leidenschaft wurde zum Fundament für viele Karrieren und Entwicklungen. Mit ihrer Tochter Marie-Luis setzte sich diese Erfolgsgeschichte fort. 2023 wurde sie in Tokio Weltmeisterin im Sumo – ein Moment, der auch das Lebenswerk ihres Vaters widerspiegelt und weiterträgt.

 

Wolfgang Zuckschwerdt war kein Mensch der großen Worte. Doch wenn er sprach, hatten seine Worte Gewicht – klar, direkt und getragen von Überzeugung. Bis zuletzt gab er seinen Sportlerinnen und Sportlern etwas mit auf den Weg, das bleibt:

 

Ziele nie aus den Augen verlieren
Respektvoll miteinander umgehen
Zusammenhalten, egal was kommt!

 

Was er aufgebaut hat, lässt sich nicht in Titeln oder Funktionen messen. Es lebt weiter in den Menschen, die er geprägt hat – in jeder Trainingseinheit, in jedem Wettkampf und in jeder Verbeugung vor dem Gegner.

 

Ohne ihn gäbe es viele dieser Wege nicht.

 

Wir verlieren mit Wolfgang Zuckschwerdt einen Visionär, einen Mentor und einen außergewöhnlichen Menschen. Doch sein Geist wird im deutschen Sumo weiterleben – in jeder Generation, die auf die Matte tritt.

 

Wir verneigen uns vor seinem Lebenswerk.